Maria Zemp - Logo
Traumafachberatung Angebote Maria Zemp Glossar Kontakt
 

Glossar

 

Transgenerationale Traumatisierung

Weitergabe unbewältigter Traumaerfahrungen an die nächste Generation
Die heutige Bindungsforschung geht davon aus, dass jeder Mensch auf der seelischen Ebene in einem Geflecht von Bindungsbeziehungen, die mehrere Generationen umfassen, lebt. Nicht verarbeitete traumatische Erfahrungen wirken wie Nadelstiche in diesem Geflecht, wobei feine Fäden Risse bekommen und andere sich verknoten. Mögliche Folgen davon sind: abgebrochene Beziehungen, ausgeschlossene Familienmitglieder, gut gehütete Geheimnisse, Intrigen, Tabus oder ein unbestimmter Zweifel ("Nach außen sind wir eine ganz normale Familie, aber mein Gefühl sagt mir seit frühester Kindheit, dass bei uns etwas nicht stimmt.").

Erst allmählich wird den Menschen in unserem Land klar, dass die durch das Naziregime verursachten traumatischen Erlebnisse des 2. Weltkrieges ebenso wenig bewältigt sind wie die Nachkriegsfolgen, oder die Vergewaltigung von tausenden von Frauen in Deutschland am Ende des Krieges.

zurück

top oben

 

Indirekte und Stellvertretende Traumatisierung / Vicarious traumatization

Menschen, die in ihrer Familie, in ihrem Beziehungsgeflecht, in einer Institution mit stationärer Unterbringung, als pädagogische Fachstelle, als TherapeutInnen und BeraterInnen mit Traumatisierten in einer engen professionellen oder persönlichen Beziehung stehen, können dieselbe Symptome entwickeln wie diejenigen Menschen, die das Trauma primär erlebt haben.

Berufsgruppen wie Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte, Bundeswehr, Medizinische Fachkräfte ebenso wie Menschen, die in der Entwicklungszusammenarbeit in Kriegs- und Krisenregionen tätig sind, sind immer wieder mit Menschen konfrontiert, die lebensbedrohliche Unfälle, Verlust, Gewalt und Folter überlebt haben. Bleiben ihre Eindrücke unverarbeitet, können sich auch bei ihnen traumatische Stressmuster entwickeln.

Was hilft?

  • professionell geführte Entlastungsgespräche (debriefing)
  • (regelmäßige) Supervision um unter anderem Übertragungsphänomene und Belastungen zu reflektieren.

zurück

top oben

 

Burnout

Menschen, die an einem Burnout leiden befinden sich in einem geistigen, körperlichen und psychischen Erschöpfungszustand – die Batterien sind leer - aber noch vorhanden! Dieser Erschöpfungszustand kann sich mehr oder weniger lange aufgebaut haben und sich dennoch überraschend zeigen. Meist ist er eine Folge von

  • konflikthaften Arbeitszusammenhängen
  • mangelnden Erfolgserlebnissen
  • wenig Befriedigung in der Arbeit
  • Überforderung und Überlastung.

Davon sind längst nicht nur Menschen in helfenden Berufen betroffen, immer stärker tritt der Erschöpfungszustand bei Management- und Führungskräften aus der Wirtschaft und der Industrie auf.

Was hilft?

  • Klärung von Stressauslösern
  • Abstand von der Arbeit (Krankschreibung).
  • Klärung der weiteren beruflichen- und gesundheitlichen Perspektiven mittels professioneller Hilfe (Coaching)

zurück

top oben

 

Mitgefühlserschöpfung / Compassion fatigue

Die Arbeit mit traumatisierten Menschen ist Beziehungsarbeit und bedingt ein professionelles Maß von Nähe und Distanz, von Empathie, Berührbarkeit und Abgrenzung. Dieses Gleichgewicht gelingt nicht immer optimal, so kann sich eine Mitgefühlserschöpfung bei Fachkräften einstellen.
Was hilft?
Eine Haltung der Achtsamkeit und Selbstfürsorge, die im Alltag verankert ist und eine unverzichtbare Säule der professionellen Identität ausmacht.

Dass die Arbeit mit traumatisierten Menschen erschöpft, halte ich für angemessen!
Wichtig ist mir zu betonen: Es sind nicht die Menschen, die uns erschöpfen!
Es ist die Konfrontation mit den gewaltsamen Ereignissen die sie überlebt haben,
oder die mangelnden Ressourcen die ihnen zur Verfügung stehen,
oder die Fortsetzung von Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit, die Helfende tatsächlich öfter an die Grenzen ihrer Erschöpfung bringen können.
Um ihre Gesundheit und ihre Arbeitskraft zu erhalten, brauchen Fachkräfte ein professionelles Unterstützungssystem und ein Konzept der Selbstfürsorge, um die Freude am Leben und die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit immer wieder neu stärken zu können (siehe Selbstfürsorge und Achtsame Organisationskultur).

zurück

top oben

 

Trauma-Dynamik in Organisationen und Institutionen

In einer Institution oder Organisation wirken Menschen, die untereinander mit ihrem biografischen und kulturellen Hintergrund in einem Beziehungsgeflecht stehen. Organisationen, die vorwiegend mit und für traumatisierte Menschen arbeiten, entwickeln erfahrungsgemäß eine spezifische Dynamik. Bleibt diese Dynamik unbeachtet und wird sie nicht kanalisiert in einer achtsamen Organisationskultur, besteht die Gefahr, dass einzelne Mitarbeiter oder die ganze Organisation, immer weit über ihre Belastungsgrenzen arbeiten und sich spezifische Konfliktmuster entwickeln.
Merkmale einer solchen Dynamik können sein (zitiert nach Munroe):

  • Die Organisation re-inszeniert Traumainhalte
  • Überarbeitung, unzumutbare Erwartungen
  • Ausbeutung und Missbrauch von MitarbeiterInnen
  • geringe Trennung von persönlichen Beziehungen und Arbeitsbeziehungen
  • wenig effektive Kommunikation untereinander
  • Gefährdung von Sicherheit und Wohlergehen der MitarbeiterInnen
  • wenig Vertrauen in die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
  • Konkurrenz mit anderen Hilfsorganisationen
  • Kultur der einsamen KämpferInnen
  • einzelne Personen erscheinen als unersetzlich
  • interne Grabenkämpfe / wechselnde Koalitionen
  • Impulsive, aus der Situation heraus getroffene Entscheidungen,
    keine langfristige Planung
  • Organisation braucht Krise, um funktionieren zu können.

zurück

top oben

 

Achtsame Organisationskultur

Jede Institution /Organisation, die mit Traumatisierten arbeitet, steht in der professionellen Pflicht, ein ganzheitliches Konzept der Gesundheitsfürsorge umzusetzen, das alle Ebenen der Organisation einschließt – auch die Verwaltung. So wie das Controlling die ökonomischen Ressourcen eines Betriebes sichert, erhält eine achtsame Organisationskultur die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden - das höchste Gut eines Unternehmens!

Ein Konzept der achtsamen Organisationskultur umfasst folgende Komponenten:

  • Methodische Instrumente wie kollegiale Beratung, Supervision und Coaching
  • Gezielte Reflektion der Traumadynamik in Teams und in der Gesamtorganisation
  • Wissensvermittlung über Trauma und die Folgen
  • Einübung einer traumasensitiven Haltung einschl. einer traumasensitiven Kommunikation
  • Bewusste Förderung der Resilienz
  • Erinnerungskultur / Reflektion der Wirksamkeit
  • Rituale für besondere Ereignisse
  • Gesundheitsfürsorge
  • Gestaltung des Arbeits- und Raumklimas

Auch Kongresse und Tagungen zum Thema Krieg / Gewalt / Trauma und die Folgen sind weniger erschöpfend und im Ergebnis effektiver, wenn sie bereits in der Planungsphase von einem Konzept der Achtsamkeit und Fürsorglichkeit begleitet werden.

zurück

top oben

 

Selbstfürsorge / Self Care

Zur Erhaltung der

  • Eigenen Gesundheit
  • Um das professionelle Handeln, das immer eine kognitive, emotionale und zwischenmenschliche Höchstaufmerksamkeit fordert, zu erhalten
  • Als Vorbeugung gegen Erschöpfungszustände und Depression
  • Um das Vertrauen in die Menschen und das Leben nicht zu verlieren

brauchen Fachkräfte ein individuelles Konzept der Selbstfürsorge.

Dazu gehören Maßnahmen wie

  • Ein fürsorglicher Umgang mit der eigenen Gesundheit
  • Eine kritische Beurteilung der eigene Belastbarkeit und Grenzen
  • Ein individuelles Stressmanagement, das an die Arbeitsbedingungen angepasst ist
  • Kenntnisse der eigenen Regenerationsquellen
  • Reflektion und Förderung der persönlichen Resilienzfähigkeit
  • Einbindung in ein kollegiales und professionelles Unterstützungssystem (Supervision, kollegiale Beratung, Coaching…

zurück

top oben

 

Resilienz

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit von Menschen, tiefe Lebenskrisen zu meistern, indem sie auf die vorhandenen Ressourcen und sozialen Fähigkeiten zurückgreifen.
Immer wieder können wir beobachten, dass es Erwachsenen und Kindern gelingt, ohne Traumafolgestörungen zu überleben oder die traumatischen Ereignisse gut zu verarbeiten.

Auch Organisationen und Institutionen haben eine Resilienzfähigkeit, und auch dort kommt sie besonders bei der Überwindung von Schwierigkeiten und in der Bewältigung von Veränderungsprozessen zum Tragen.

zurück

top oben

 

Posttraumatisches Wachstum / Posttraumatic growth

Manche Menschen bezeichnen den Weg der Verarbeitung von traumatischen Verletzungen als Wachstumsprozess. Sie beschreiben, dass sie über eine erweiterte Beziehungskompetenz verfügen und sich neue Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten erschlossen haben. Andere empfinden das Leben reichhaltiger, denn sie haben erfahren, dass es einmalig ist und längst nicht immer kontrolliert werden kann.

Auch Fachkräfte können in der Arbeit mit traumatisierten Menschen durchaus wachsen, denn diese Arbeit kann sehr erfüllend und persönlichkeitsbildend sein. Sie kann das Engagement für Gesellschaft und Umwelt sehr fördern und die Sensibilität für die Kostbarkeit des Lebens in seiner Vielfalt vertiefen.

zurück

top oben

 

Lobby

Traumatisierte Menschen brauchen mehr als professionelle HelferInnensysteme, sie brauchen eine Lobby denn:
Komplextraumatisierte Kinder haben in Deutschland eine moralische Lobby, aber keine politisch/ökonomische, die dafür sorgt, dass sie alle notwendigen Unterstützungsangebote bekommen, um vollwertige Mitglieder der Gesellschaft werden zu können.

Frauen die sexualisierte und oder häusliche Gewalt erfahren haben bekommen ihre Würde nicht allein in Beratung, Therapie und Frauenhäuser zurück. Meist haben sie mit ihrer Würde auch ihre Stimme verloren. Sie brauchen eine politische Bewegung, die an geltende Gesetze erinnert und hilft, diese durchzusetzen; Menschen, die nicht aufhören sich dafür einzusetzen, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder gesellschaftlich geächtet wird.
Menschen die aus Kriegsländern zu uns flüchten, die in ihren Heimatländern gesehen haben, wie Familienangehörige verhungern und die Folter und Terror erlebt haben, sind bei uns nur "geduldet". Es wird ihnen weder Zeit noch finanzielle Mittel zugesprochen, um die Wunden vernarben zu lassen. Sie brauchen die Unterstützung einer Bürgerbewegung, die bereit ist, Reichtum und Chancen des eigene Landes zu teilen.

zurück

top oben